Trainingswohnen

„Selbsttätigkeit führt zur Selbstständigkeit“ (Maria Montessori)

Was ist Trainingswohnen?
Das Trainingswohnen dient der Begleitung junger Menschen ab 16 Jahren im Rahmen der Phase der Verselbstständigung. Maßgebliches Ziel der Hilfeleistung ist es, dass die jungen Menschen, möglichst unabhängig von professionellen stationären und ambulanten Hilfeleistungen, ein eigenständiges Leben führen können.

Aufbauend auf einem humanistischen Menschenbild dient das Angebot des Trainingswohnens der Strukturierung des Alltages der jungen Menschen, insbesondere zur (Wieder-) Herstellung oder Verbesserung der Beziehungsfähigkeit, Förderung der eigenen Ressourcen, Entwicklung einer Kritik- und Konfliktlösungsfähigkeit, zur Förderung von Verantwortungsbewusstsein und zum Aufbau eines Selbstwertgefühles sowie von Vertrauen.

Die jungen Menschen leben in einer durch den Träger angemieteten Wohnung und werden im Rahmen der Verselbstständigung durch vereinbarte Betreuungskontakte, deren Umfang sich an dem festgesetzten Personalschlüssel ausrichtet, unterstützt.

In der Regel werden die jungen Menschen in Einzelwohnungen verselbstständigt. Besteht der Wunsch, in einer Wohngemeinschaft zu leben und gemeinsam die Phase der Verselbstständigung zu durchlaufen, ist das in Ausnahmefällen möglich. Hierzu bedarf es der Zustimmung aller Beteiligten, d.h. der jungen Menschen, der zuständigen Jugendämter/des zuständigen Jugendamtes und den Fachkräften des Trägers. Die Fachkräfte prüfen im Vorfeld gemeinsam mit den jungen Menschen, ob das Zusammenleben möglich ist.

Trainingswohnen für junge Menschen mit einer seelischen Behinderung
Die Eingliederungshilfe für junge Menschen, die von einer seelischen Behinderung bedroht oder betroffen sind, soll dabei unterstützen, Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern und/oder wiederherzustellen. Teilhabe ist dann realisiert, wenn individuelle und umweltbezogene Faktoren es ermöglichen, dass die Person ihre sozialen Rollen, die ihr wichtig und die ihrer Lebenssituation angemessen sind, einnehmen und zu ihrer Zufriedenheit ausfüllen kann.
Unsere Hilfe zielt darauf ab, die sozialen Kompetenzen, die Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten des jungen Menschen zu fördern und zu stärken, Handlungskompetenzen in Alltagssituationen zu vermitteln, Unterstützung des jungen Menschen und der Familie bei der Strukturierung des Alltags zu leisten und eine Unterstützung für Problemlösungen im Rahmen eines überschaubaren Zeitraums zu gewährleisten.

Wie sieht die Betreuung beim Trainingswohnen aus?
Die Arbeit im Rahmen des Trainingswohnens orientiert sich an der Lebenswelt der jungen Menschen. Lebenswelten bestehen aus dem Zusammenspiel zwischen Menschen und sozialräumlichen Aspekten. Die Problemlagen der jungen Menschen werden als Symptome eines sozialen Konfliktes und/oder als individueller Entwicklungsbedarf betrachtet.

Die Arbeit wird getragen von der Haltung und den Zielen eines respektvollen Umgangs miteinander, von Toleranz gegenüber dem Anderssein (wie geographische und soziale Herkunft, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, politische und kulturelle Auffassungen, sexuelle Orientierung).

Auf Grundlage dieser systemischen Sichtweise wird der Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit auf Systeme und deren Zusammenhänge gelegt, unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Bedarfe der einzelnen jungen Menschen.

Abgeleitet daraus basiert unser methodisches Handeln auf folgenden Grundlagen:

  • Orientierung an den Ressourcen der jungen Menschen
  • Analyse des bestehenden Konfliktes und transparente Auseinandersetzung damit
  • Wertschätzende Gesprächsführung
  • Aufbau einer professionellen Beziehungsebene
  • Biographiearbeit/Genogrammarbeit
  • Exploration aktueller Netzwerkkarten für jeden jungen Menschen (nach Genehmigung), bedarfsorientiert unter Berücksichtigung des individuell passenden Zeitpunktes
  • Förderung der lebenspraktischen Fertigkeiten
  • Vermittlung/Förderung von sozialen und (inter-) kulturellen Bildungsinhalten
  • Lebenswelt- und Sozialraumorientierung
  • Deeskalationskonzepte
  • Kooperative Zusammenarbeit mit externen Fachkräften, z. B. Psychotherapeuten

Die generellen Ziele können variieren und werden bedarfsgerecht ergänzt, insbesondere für

  • unbegleitete ausländische Jugendliche/junge Erwachsene (z. B. Integrationshilfe)
  • Jugendliche/junge Erwachsene mit einer seelischen Behinderung (z. B. Herausarbeitung von Entwicklungs- und Selbsthilfepotenzialen)

Wen möchten wir erreichen und unterstützen?
Unsere Leistungen im Rahmen des Trainingswohnens richten sich an junge Menschen ab 16 Jahren, u. a.

  • die im Anschluss an eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung (Heim, Klinik etc.) weitere Hilfe im Rahmen der Verselbstständigung benötigen
  • die infolge einer nicht anders zu lösenden familiären Krisensituation von den übrigen Familienmitgliedern getrennt leben müssen und zur
  • Persönlichkeitsentwicklung und zur Verselbstständigung im Sinne einer eigenverantwortlichen Lebensführung erzieherische Hilfe benötigen

Wann kann Trainingswohnen sinnvoll sein?

  • Wohnungslosigkeit oder von Wohnungsverlust bedroht
  • Noch nicht vollständig ausgeprägte Fähigkeit zur Tagesorganisation und -struktur, Schwierigkeiten bei der Haushaltsführung
  • Unterstützungsbedarf bei der Hygieneeinhaltung und/oder medizinischen Versorgung
  • Unterstützung im Kontakt zu Ämtern
  • Notwendigkeit von Bildung und/oder Berufsqualifizierung
  • Drohende Arbeitslosigkeit
  • Erarbeitung einer langfristigen Lebensperspektive
  • Erlernen eines sinnvollen Umgangs mit finanziellen Mitteln
  • Abbau von Schulden
  • Isolation und Vereinsamung, Bindungsdefizite und fehlendes soziales Netzwerk
  • Unterstützung bei dem Aufbau von sozialen Beziehungen
  • Entwicklungsverzögerung und Verhaltensauffälligkeiten
  • Delinquenz, Gewaltbereitschaft
  • Konfrontation mit Vorurteilen und Stigmatisierung
  • Traumatische Erfahrung
  • Sucht- und Drogenproblematik
  • Angemessener Umgang mit Nachbarn
  • Einhaltung von Mieterpflichten (ohne Mietzahlung)

 

Auf welcher Rechtsgrundlage arbeiten wir?
Rechtsgrundlage für die Betreuung in unserem Verselbstständigungsangebot sind die §§ 27 ff., § 41 SGB VIII und ggf. § 35a SGB VIII in Verbindung mit § 34 SGB VIII.

Team
Die Pädagog*innen des Trainingswohnen bilden ein multikulturelles Team. Wir sprechen viele Sprachen!
In der multikulturellen Vielfalt der individuellen Hintergründe der pädagogischen Fachkräfte sehen wir eine wichtige Vorbildfunktion. Bei Bedarf und nach Möglichkeit wird, um mögliche Barrieren aufzubrechen, auf die gemeinsamen kulturellen Hintergründe, bei dem u. a. die Sprache eine große Rolle spielen kann, geachtet.

Weitere Betreuungsformen der KARAWANE
In der Trägerschaft der KARAWANE - Kinder- und Jugendhilfe GmbH befindet sich neben dem hier beschriebenen Angebot des Trainingswohnens das interkulturelle-integrative Regelangebot für männliche Jugendliche ab 14 Jahren in Form der Wohngruppe „Haus Selam“. Parallel dazu bieten wir flexible ambulante Hilfen an.

Trainingswohnen - Broschüre als PDF

Adresse
Trainingswohnen

Anschrift:
Schwesterstr. 64
42285 Wuppertal

Kontakt:

Geschäftsführer / Pädagogische Leitung
Dr. Kessete Awet

Mobile: +49 · (0)152 341 91 202
Tel.: +49 · (0)202 · 27 09 63 39
Fax: +49 · (0)202 · 27 26 92 70

E-mail: info@karawane-kiju.de

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